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Der Buchspazierer
Autor: Carsten Henn
Mein erster Eindruck
Jemand, der für jeden Menschen genau das richtige Buch kennt?
Den hätte ich manchmal auch gerne. 😄📚
Carl Kollhoff verkauft Bücher nämlich nicht einfach. Er scheint ziemlich genau zu wissen, welche Geschichte ein Mensch gerade braucht – fast so, als könnte man Bücher wie Medizin verschreiben.
Allein diese Idee fand ich wunderschön. Und dann gibt es in diesem Hörbuch noch einen Satz, bei dem ich sofort dachte: Ja. Genau das.
"Das geschriebene Wort wird immer bleiben, weil es Dinge gibt,
die auf keine Art besser ausgedrückt werden können.“
Mehr muss ich zu diesem Gedanken eigentlich gar nicht sagen.
Worum geht's?
Carl Kollhoff lebt für Bücher. Nach Ladenschluss bringt der Buchhändler einigen besonderen Kunden ihre Bestellungen persönlich nach Hause. Doch eigentlich liefert er ihnen längst nicht mehr nur Bücher. Für manche ist Carl zu einer der wenigen Verbindungen zur Außenwelt geworden.
Auf seinen täglichen Spaziergängen durch die Stadt bekommt er eines Tages unerwartete Begleitung: Die neunjährige Charlotte – genannt Schascha – beschließt kurzerhand, von nun an mitzukommen.
Carl ist davon zunächst so begeistert, wie man es von einem zurückgezogenen älteren Herrn erwarten würde. 😄 Doch Schascha lässt sich davon nicht beeindrucken.
Als Carl überraschend seine Arbeit verliert, gerät seine vertraute Welt ins Wanken. Und ausgerechnet Schascha bringt langsam etwas in Bewegung, das nicht nur Carls Leben verändert, sondern auch das seiner besonderen Kunden.
Meine Meinung
Eigentlich dachte ich anfangs, dass ich hier vor allem eine Geschichte über Bücher bekomme. Und natürlich spielen sie eine große Rolle. Je länger ich zugehört habe, desto mehr hatte ich aber das Gefühl, dass es eigentlich um etwas ganz anderes geht.
Um Menschen, die sich zurückgezogen haben. Um Einsamkeit. Um ungewöhnliche Freundschaften. Und darum, was passieren kann, wenn plötzlich jemand auftaucht und die sorgfältig aufgebauten Mauern einfach nicht akzeptiert.
Und Schascha ist ziemlich gut darin, solche Mauern einzureißen. 😄
Gerade die ungewöhnliche Freundschaft zwischen ihr und Carl hat mir deshalb besonders gut gefallen. Auf der einen Seite der zurückgezogene Buchspazierer, der seine festen Wege und Gewohnheiten hat. Auf der anderen ein neunjähriges Mädchen, das ziemlich genau weiß, was es will und sich von einem grummeligen Carl nicht abschrecken lässt.
Diese Kombination hat mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht.
Und natürlich ist „Der Buchspazierer“ trotzdem eine große Liebeserklärung an Bücher. Besonders schön fand ich den Gedanken, dass manchmal genau das richtige Buch zur richtigen Zeit etwas bewirken kann.
Das hätte jedoch ziemlich schnell kitschig werden können – und ja, an manchen Stellen war es mir tatsächlich fast ein bisschen zu viel des Guten. Meistens hat Carsten Henn für mich aber noch rechtzeitig die Kurve bekommen.
Gibt es ein Aber?
Ja, gibt es.
Während Carl und Schascha für mich gut funktioniert haben, blieben mir einige der anderen Figuren erstaunlich fremd. Manche wirkten auf mich etwas klischeehaft und bei einigen Entscheidungen hatte ich das Gefühl, dass sie eher passieren mussten, damit die Geschichte in eine bestimmte Richtung weitergehen konnte.
Das fand ich schade, denn gerade bei einer Geschichte, die so stark von zwischenmenschlichen Begegnungen lebt, hätte ich mir gewünscht, auch zu diesen Figuren einen stärkeren Zugang zu bekommen.
Außerdem war das Hörbuch für mich zwischendurch etwas zäh. Gerade in der Mitte zog sich die Geschichte stellenweise etwas hin und ich merkte, dass meine Gedanken beim Hören häufiger drohten abzuschweifen.
Das Kapitelkribbeln danach ...
Nach dem Hören blieb bei mir vor allem ein Gedanke hängen:
Wie schön ist es eigentlich, dass Bücher Menschen zusammenbringen können, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären?
Genau dieses Gefühl nehme ich aus „Der Buchspazierer“ mit.
Und vielleicht auch die kleine Erinnerung daran, dass manchmal nicht nur Menschen ein bestimmtes Buch brauchen – sondern Bücher uns manchmal genau im richtigen Moment finden. 📚
Mein Fazit
Am Ende mochte ich vor allem die Wärme dieser Geschichte. Sie ist nicht besonders spektakulär, sondern fühlt sich eher an wie ein ruhiger Abend mit einem guten Buch.
Es ist kein Buch, das mich umgehauen hat. Aber eines, das ich sehr gern gehört habe.
Und vielleicht ist genau das manchmal genug. 📚
Mein Kapitelkribbeln
⭐⭐⭐⭐️☆ (4/5)