Das Haus der stummen Toten

Autorin: Camilla Sten


Mein erster Eindruck

Ein abgelegener Gutshof, ein heftiger Schneesturm und düstere Familiengeheimnisse – allein diese Mischung weckte mein Interesse.

Dazu kommt noch Eleanors Gesichtsblindheit, die den Einstieg in den Fall besonders spannend macht. Ich hatte das Gefühl, dass mich hier ein atmosphärischer Thriller erwartet, der eher von seiner Stimmung als von blutigen Schockmomenten lebt.


Worum geht's?


Wie jeden Sonntag besucht Eleanor ihre Großmutter Vivianne. Doch an diesem Septembermorgen ist nichts wie sonst: Sie findet ihre Großmutter ermordet auf. Kurz zuvor ist sie dem Täter sogar begegnet – doch aufgrund ihrer Gesichtsblindheit kann sie ihn nicht beschreiben.


Wenig später meldet sich ein Notar bei Eleanor. Gemeinsam mit ihrem Freund Sebastian reist sie zu einem abgelegenen Gutshof namens Solhöga, von dem sie bisher noch nie etwas gehört hat. Dort trifft sie überraschend auch auf ihre Tante Veronika.


Kaum angekommen, schneidet ein heftiger Schneesturm die vier von der Außenwelt ab. Während immer mehr düstere Familiengeheimnisse ans Licht kommen, bleibt eine Frage unbeantwortet:

Wo steckt eigentlich der Gutsverwalter?


Der Thriller spielt auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart begleitet man Eleanor, während die Rückblicke in die 1960er-Jahre die Geschichte von Annuschka erzählen. Nach und nach wird dabei die Vergangenheit von Solhöga enthüllt.


Meine Meinung

Schon nach den ersten Kapiteln war ich mitten in der Geschichte. Die kurzen Kapitel und der flüssige Schreibstil sorgen dafür, dass man immer wieder denkt: „Ein Kapitel geht noch.“

Besonders spannend fand ich den Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Anfangs war ich neugierig, wie beide Handlungsstränge wohl zusammenhängen. Je weiter die Geschichte voranschritt, desto mehr merkte ich allerdings, dass mich die Kapitel rund um Annuschka deutlich mehr fesselten als die Ereignisse in der Gegenwart.

Die Vergangenheit wirkte auf mich geheimnisvoller und emotionaler. Immer wenn wieder ein Kapitel aus den 1960er-Jahren begann, war ich ehrlich gesagt ein kleines bisschen enttäuscht, wenn es danach zurück in die Gegenwart ging.

Mit Eleanor bin ich dagegen nie ganz warm geworden. Einige Entwicklungen erschienen mir stellenweise etwas zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Dadurch verlor die Geschichte für mich etwas an Glaubwürdigkeit.

Trotzdem blieb die Spannung während des gesamten Hörbuchs erhalten. Auch wenn mich die Auflösung am Ende nicht wirklich überrascht hat, wollte ich trotzdem wissen, wie alles zusammenhängt.


Gibt es ein Aber?

Ja.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Gegenwartsgeschichte dieselbe Sogwirkung entwickelt wie die Kapitel in der Vergangenheit. Für mich war Annuschkas Geschichte der eigentliche Höhepunkt des Buches – und genau deshalb fiel die Gegenwart für mich etwas ab.


Das Kapitelkribbeln danach ...

Wenn ich heute an „Das Haus der stummen Toten“ zurückdenke, denke ich zuerst an den eingeschneiten Gutshof.

Diese Mischung aus Schnee, Einsamkeit und alten Familiengeheimnissen hat genau die düstere Atmosphäre geschaffen, die ich mir von einem Thriller wünsche.

Und auch wenn mich nicht jede Wendung überzeugt hat, ist mir genau dieses beklemmende Setting im Kopf geblieben. ❄️🏚️


Mein Fazit

Wenn ihr Thriller mit düsteren Familiengeheimnissen, zwei Zeitebenen und einer beklemmenden Atmosphäre mögt, könnte „Das Haus der stummen Toten“ genau das Richtige für euch sein.

Mich persönlich hat vor allem der Handlungsstrang in der Vergangenheit überzeugt. Die Gegenwartsgeschichte blieb für mich dagegen etwas hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Mein Kapitelkribbeln
⭐⭐⭐✨☆ (3,5/5)